Donnerstag, 15. Februar 2018

Romanes eunt domus? Romani ite domum!

Foto: Georg Harlekin
Nach einem Jahr fv-Open-Mic-Pause (aber nicht einem Jahr farce-vivendi-Pause, denn es gab ja dazwischen andere fv-Veranstaltungen wie "Die 4 Jahreszeilen" oder "Worte wie Pfeile") wurde es langsam Zeit für ein Comeback. Pünktlich zum chinesischen Neujahr fanden wir uns in unserer neuen MELAMAR und ANDI PIANKA durch den Abend.
Location, nämlich dem Veranstaltungskeller des Cafe Benno, ein. Wie gewohnt, führten

Foto: Georg Harlekin
Das Los (in Form einer geworfenen Münze) entschied sich für MELAMAR als erste Eisbrecherin. Ihr Frauentagstext "Die gesichtslose Göttin" nimmt bei einer in Rumänien gefundenen Statue, welche eine Göttin darstellt, ihren Ausgang. Über das Thema matristischer Kulturen führt der Text melamar dann zu ihrer eigenen Kindheit, in der Mädchen noch nicht ministrieren durften und das Unkeuschheitsverbot dem Religionslehrer das wichtigste der zehn Gebote war.


RÉKA TÁRKÁNY SZÜCS fing mit einem persönlichen Text über ständig unzuständige Zustände an, bei denen sie die dafür angebotene Lösung kritisch hinterfragt. Ein zweiter Text handelte von 5 Karten spielenden Menschen, von denen einer die Menschen erschaffen hat. Auf einen Inferno-Text ("so negativ, dass es schon irgendwie...") folgten einige ihrer Mami-Dialoge, ein paar makabre Sätze und schließlich "Schmetterlinge auf dem Dachboden".
Foto: Georg Harlekin

Während die vorige Auftretende bereits 2007 beim fv Open Mic aufgetreten war, stand TERESA an
diesem Abend das allererste Mal in ihrem Leben auf einer Bühne. Sie brachte einen englischsprachigen Text, der eine Rede/Anklage an die Mutter enthielt, die deren Mangel an Liebe und daraus resultierende Folgen thematisierte. "My voice is fleeting anyway" und "I'm so tired" hieß es darin unter anderem.



Foto: melamar


NADIA BAHA stellte zu Beginn ihres Auftritts fest, aus "Einer für alle" sei "Alles für eine(n)" geworden. Es ging in ihren politisch/kritischen Kurztexten u.a. um den Strick durch die Rechnung. "Unter den Zahntechnikern ist der Speichelsauger König" und "Heute Germania, morgen Generika" - so würde es heute laufen. Auf das Thema "Worship" folgte als letztes ein Hänschen-/Hans-Text: Fast fassion, speed kills.




Foto: melamar

CHRISTIAN "SCHREIBI" SCHREIBMÜLLER, häufigster fv-Open-Mic-Teilnehmer bislang (und auch bereits des allerersten), brachte einen Dialekt-Text zum Besten, der im Bierwirtshaus spielte und so manche Begriffe wie "Schiebedach", "Reißerta", "Friedhofsjodler" oder "Schnullerbeißer" dem p.t. Publikum erst erklärt werden mussten. Danach ging es noch um eine "oame klane Gstörte", ehe die Pause anbrach.





Foto: melamar

Nach jener wurde dann ANDI PIANKA zum Eisbrecher #2. In seinem Beitrag hatten Kanzler und Vize, also Basti und Bumsti, ihren ersten Streit. Während ersterer mehr auf Austrofaschiertes mit vaterländichem Dollfuß als Beilage und einen ständestaatlichen Heimwehrsalat steht, liebt zweiterer eher die deutschen Flüsse und den Kuchen, zu dem Gauland gerufen hat. Und der sonnige Süden ist für ihn "unsere" Krim.





 
GEORG HARLEKIN, wie so oft mit Klangschale (als Auftretender auf der Bühne) bzw.
Photoapparat (unten als Publikum) ausgestattet, meinte, der Mensch trage den Urknall in sich. In seinen Kurztexten drehte es sich um's bewusste all-ein ("In der Stille bin ich Dein"), die Kummernummer, die Seele, die Demut (und den Specht, der lacht), um Schiffbrüchige & die Wurzel des Übels sowie um den Wind.



Foto: Georg Harlekin
Als nächstes wurde der gleich neben ihm sitzende wALTERGOn gezogen, der (nach der Ankündigung einer Pressekonferenz) für den einzigen musikalischen Beitrag des Abends sorgte. Die
Zeitungsschlagzeile "Die Wahrheit hinter Trumps Frisur" hätte ihn zu einem Lied inspiriert. In diesem Lied kamen u.a. Vergleiche mit anderen US-Präsidenten, frisierte Bilanzen und die Aufforderung "Kämme dein alternatives Haar!" vor.


Foto: Georg Harlekin

So wie die beiden vorigen Auftretenden, ist auch THOMAS MAYER seit einigen Jahren fv-Open-Mic-Stammgast. Nachdem er vom Nicht-Nachrichten-Seher zum Hardcore-Nachrichten-Seher wurde, fragte er sich in seinem Text "Nachrichten ohne Nachrichten", wie die Nachrichten an einem Tag, an dem nichts Erwähnenswertes passierte, ausschauen würden. Da müsse man eine Katastrophe, ein Verbrechen oder einen Skandal erfinden.




Foto: melamar


Als die Moderation bereits das Ende der Veranstaltung gekommen sah, betrat noch WOLFGANG GLECHNER den Raum (dessen Verspätung mit einer sehr erfreulichen familiären Angelegenheit begründet war). Also durfte er noch auf die Bühne und las seinen humorvollen Text "Morbus Schwanensee", in welchem ein Mann zum Tierarzt kommt und sich eine Behandlung nicht für ein Tier, sondern für seine eigene Hämoarthrose wünscht.




Foto: Georg Harlekin
Hiermit war das 61. farce vivendi Open Mic endgültig zu Ende (wobei natürlich noch Menschen blieben und sich u.a. über Monty-Python-Filme lebhaft austauschten - siehe die Überschrift zu diesem Post ;-)). Wir bedanken uns für Euer Kommen und sehen uns hoffentlich (wir haben uns für heuer für einen vierteljährlichen Rhythmus entschieden) beim 62. Mal wieder, welches am 24. Mai stattfinden wird.




(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. )


Dienstag, 23. Januar 2018

Liebe Freundinnen und Freunde der angewandten Wortkunst,

es uns eine Freude, zu berichten, dass 

das farce vivendi OPEN MIC - Die offene Bühne für Literatur, Performance und Musik

dieses Jahr wieder aufleben wird. Geplant sind vier Veranstaltungen. Die erste davon findet 
am Donnerstag, dem 15.2. 2018, ab 20:00h im Cafe Benno
Alser Straße 67, 1080 Wien statt.

Moderation: melamar & Andi Pianka

Eintritt: Frei(e Spende)

Wir freuen uns über Publikum ebenso wie über auftrittswillige Künstler/innen!


Mit poetischen Grüßen

melamar & Andi Pianka

Sonntag, 7. Januar 2018

"Aus dem bunten Spiel der Zeiten wird uns letzte Weisheit kund..." *) - Die vier Jahreszeilen #4

Am 21. Dezember (und somit pünktlich zu Winterbeginn) schlossen wir im Heinrich in der Thaliastraße unsere heurige Veranstaltungsreihe "Die vier Jahreszeilen" ab. Wie auch schon bei den anderen drei Veranstaltungen, so gab es auch diesmal wieder vier Lesende und einen Musik-Act, die da wären:

Foto: Georg Harlekin



MARLIES THUSWALD las 9 kurze Texte - darunter vier aus ihrem Lyrikband "Silberstreifen" (edition innsalz, 2015) - von denen einige weihnachtlich inspiriert waren. Bei einem Mitmachtext durfte sich auch das Publikum einbringen.













Foto: Georg Harlekin


GEORG HARLEKIN (mit Klangschale ausgestattet) brachte ähnlich viele - nachdenkliche - Texte (darunter einen aus seinem ebenfalls 2015 erschienenen Poesieband "Briefe an die Liebe", dessen Fortsetzung demnächst veröffentlicht wird).













Foto: Réka Tárkány Szücs








RÉKA TÁRKÁNY SZÜCS (bzw. eigentlich umgekehrt herum) fing mit einem aktuellen Text zu

einem prominenten jungen Politiker an und ließ dem in ihren weiteren Texten verhaltenstherapeutisches sowie einige persönliche Gedichte folgen.










Foto: Georg Harlekin


ANDREAS PLAMMER las zwei neue Texte ("b'soffene G'schicht'n"), die stilistisch an seinen Kriminalroman "Fauler Zauber" (Milena, 2011) erinnerten. Der erste handelte von einem russischen Roulette, der zweite vo der Bemalung eines Hydranten.








Foto: Georg Harlekin


Für den musikalischen Teil des Abends sorgte JONOPONO mitsamt Stimme und Gitarre sowie
sieben Liedern (darunter eine Zugabe), die teils persönlich, teils systemkritisch, teils auch eine Verschmelzung beider Thematiken waren.














Foto: Georg Harlekin


Es moderierten wieder einmal MELAMAR und ANDI PIANKA (wobei dem Autor dieser Zeilen erst beim Schreiben dieser Zeilen auffiel, dass es sich um die 50. gemeinsam von den beiden moderierte Veranstaltung gehandelt hat).








Damit sind die 4 Jahreszeilen an ihrem Ende angelangt. Wir hatten bei vier Veranstaltungen 16 Lesende (8 Frauen, 8 Männer), 4 Musik-Acts (2 Männer, 2 Frauen, davon einmal mit männlicher Gitarrenbegleitung) und auch die Moderation war überaus paritätisch, was die Geschlechterverteilung betrifft. Aufgetreten sind KünstlerInnen aus sechs verschiedenen Geburtsjahrzehnten, also auch altersmäßig eine sehr breite Streuung.
Wir waren in vier verschiedenen Locations (Cafe Benno, Das Werk, Cafe Stadtbahn, Heinrich) in vier verschiedenen Bezirken (Josefstadt, Alsergrund, Währing, Ottakring), bei denen wir uns sehr herzlich bedanken - wie ebenso bei der Stadt Wien (MA 7) für ihre Förderung der Veranstaltungsreihe. 

Im Übrigen sind von den letzten beiden Veranstaltungen ein paar Live-Mitschnitte online nachzuhören: https://soundcloud.com/farcevivendi/sets/zweitausendundsiebzehn-lesungen-mit-musik

Und ja, zu guter letzt noch die feierliche Ankündigung: Es wird demnächst wieder ein farce vivendi open mic geben, nämlich am 15.02.2018 im Cafe Benno. Näheres folgt bald...

Wie versprochen, hat es dieser Nachbericht geschafft, noch anno 2017 das Licht der Welt zu erblicken (zwar nicht mehr gemäß gregorianischem Kalender, sehr wohl aber noch gemäß dem julianischen, welcher ja bekanntlich viel älter und weiser ist ;-))



*) aus "Wintersaat" von Clara Müller-Jahnke

"So nimmt und gibt mit vollen Händen / Der Herbst, ein Dieb und eine Fee" *) - Die 4 Jahreszeilen #3

Am 30. November fand im Cafe Stadtbahn in Gersthof/Währing/Wien die Herbstveranstaltung unserer heurigen Reihe "Die 4 Jahreszeilen" statt. Leider hatte nur Petrus in seinem Kalender die Herbst- und Winterveranstaltung verwechselt und ließ es just zu unserer Herbstveranstaltung schneien (zum Glück "nur" draußen und nicht im Stadtbahn drinnen).

Es lasen:

CHRISTIAN SCHREIBMÜLLER, der mit einer Selbstvorstellung ("Jo, der Schreibi...") begann, gefolgt von einem Text über Schreibhemmungen und vier Gedichten, die teils hochdeutsch, teils im Dialekt verfasst waren.

DANIELLE BOUTEILLE füllte seine Viertelstunde mit einer Erzählung bzw. Kurzgeschichte, die sich im Rap-Milieu abspielte. Ein Fan möchte die Platte eines berühmten Rappers stehlen - es kommt u.a. zum Einsatz einer Jungdetektivin und der Polizei.

MARTIN BACHLER veranstaltete eine demokratische Lotterie, indem er das Publikum bat, per Nummernnennung von 1 bis 172 die gewünschten Gedichte auszuwählen, von denen er dann insgesamt 15 vortrug.

NIKI-TA stellte nach einem Text aus der Zeitschrift "& Radieschen" (deren Redaktionsmitglied sie ist) das Projekt "saiL" vor - ein pädagogisches Konzept des natürlichen Lernens. Ergänzt um autobiographische Schilderungen...

Es musizierte:

Zwischen den literarischen Beiträgen sang und spielte STEFAN PETER auf seiner Gitarre einige seiner eigenen Lieder (plus ein Beatles-Cover), die von ernst und nachdenklich ("Wo du hin du willst", "Herrgottsliab") bis witzig ("Das Bad ist besetzt") reichten.

Es moderierten:

Wie gewohnt führten MELAMAR und ANDI PIANKA durch den Abend. 


* aus: "Herbstlied" von Luise Büchner

Donnerstag, 14. Dezember 2017

21.12.2017 DIE AUFTRETENDEN



Georg Pichl (aka Georg Harlekin) geboren, 1965 in Wien.
immer schon, hatte ich eine große LIEBE zur Improvisation...

Mein Lebensmotto:
„Panta rhei! – Alles fliesst!“
(Heraklit)

...unter anderem, bin ich Dichter :) - davon allein kann ich nicht leben (...)

Trotz allem gilt meine große Leidenschaft: dem Schreiben!
Seit nun mehr als 10 Jahren, schreibe ich "Briefe an die Liebe"
...mein erstes Buch ist im Jahre 2015 erschienen, mein zweites Buch ist im Endspurt (Briefe an die Liebe Teil II) :)

Anbei, zwei Stimmungsbilder meiner Wenigkeit:




 Andreas Plammer
geboren 1966 in Wien.
Zahlreiche Lesungen und Teilnahmen an Poetry-Slams, Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien, Mitorganisator der wöchentlichen Lesungsreihen Anno Literatur Sonntag und Anno Dialekt Donnerstag, Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften „& Radieschen“ und „Morgenschtean“, Vorsitzender der ÖDA (Österreichische DialektautorInnen und -archive).

Letzte Veröffentlichungen in:
Wien schön trinken“, Hg. Vanessa Wieser (Milena, 2013)
Radfahren schön trinken“, Hg. Vanessa Wieser + Markus Köhle (Milena, 2014).
Slam-Oida!“, Hg. Mieze Medusa + Markus Köhle (Lektora-Verlag, 2017).

Einzelpublikation:Fauler Zauber“, Kriminalroman, Milena 2011.


Marlies Thuswald, geboren 1991, aufgewachsen in Pöchlarn (NÖ). Masterstudium Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Wien. Lehrgang „Wiener Schreibpädagogik“ des BOeS. Lebt, arbeitet und träumt in Wien.

Autorin, Schreibpädagogin und Trainerin für Deutsch als Fremdsprache bei viennAventura. Lesungen und Projekte mit Musiker*innen und bildenden Künstler*innen. Lyrikband Silberstreifen (edition innsalz 2015).





Tárkány-Szücs Réka 
Untypische hak-Absolventin. Psycho-Studentin. Gute Freundin. Sambattac-Korrespondentin. Chaotin. Tierliebhaberin. Kaffeehauseinheitsbrei. Schrieb, schreibt, schreibera (für infranzösischkenntnisgesetzte) vergangenheits- und gegenwartsorientierte Gedankenspielereien und –spinnereien. Zitate & Gedichte funktelten im März 2009 aus der Lichtzeile beim Flex am Donaukanal neugierigen und andersmotivierten Lesenden entgegen. Anprangerungen erschienen in den Anthologien „Ungehaltene Rede“ und „Existenz und Renitenz“. Gut & gerne auch schauspielerisch unterwegs. Tauchte bisher immer wieder bei Lesungen als Lesende auf (z.B. Café Amadeus, Arena, Präsentation Literaturzeitschrift Radieschen, 4 Jahreszeilen, Agora poetry slam, farce vivendi open mic, Präsentation Anthologien). Sitzt hin und wieder gedankenverloren am Klavier. Hätte gern eine Ziege auf dem Balkon. 


JonoPono
Pono, der faule Fisch aus dem tanzanischen Sprichwort "Usilale kama Pono!" ("Schlaf nicht wie ein Ponofisch!") ist der Namensgeber des Alter Egos der auch im echten Leben oftmals lethargischen, im Grunde aber zum produktiven Prekariat gehörigen, Jono.
Die gebürtige Salzburgerin hat lange in Wien gelebt, dort Afrikawissenschaften und später Sozialpädagogik studiert und bewohnt nun einen alten Hof in Niederösterreich, mit Partner, Freunden, Katze, Hund, Hühnern und Gemüse. Sie lebt also ihren Kindheitstraum, denn sie wollte immer schon Bäuerin oder Sängerin werden.
So erfreut sie uns mit ihren Liedern, welche stark sprachlastig, in etwa der Liedermacherei oder dem Sprechgesang zuordenbar sind, immer mit Fokus auf weltbewegende oder auch rein persönliche Erkenntnisse. Hier der Link zu ihrem ersten und bisher einzigen Youtube-Hit: https://www.youtube.com/watch?v=8jU4oOKfGdo
Sie gehört außderdem seit Gründungsbeginn der Peformancegruppe "Grillhendl Rotation Crew" (https://hendlrotation.wordpress.com/) an. Den Großteil ihres notwendigen Lebensunterhaltes verdient sie derzeit in der Arbeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Wien.

Freitag, 24. November 2017

DIE AUTORiNNEN DER VIER JAHRESZEILEN #3

  LESUNG:

 
Danielle Bouteille, geboren 1985 in Feldkirch. Aufgewachsen in Wien und Leobersdorf. Zwischendurch Katorga in Österreichs sibirischer Steppe (Allentsteig). Studium der Philosophie und der Filmwissenschaften. Seit 2009 öffentliche Lesungen. Ist Musiker, Filmemacher, Schreiberling und Lebenskünstler. Oh ja...



Elisabeth Gruber
Martin Bachler (1992) wurde in Kitzbühel in Tirol geboren. Kitzbühel ist, wie die wenigsten wissen, gar kein Teil von Österreich, sondern eine Bayrische Enklave, ein etwas entfernterer Stadtteil von München. Seit über 4 Jahren durchlungert er schon die kakanische Ruine namens Wien.
Der wohl kaum angehende Gastronom vertrieb sich die Zeit in einer Tourismusschule damit, Gedichte über Tod und Kirchenbrände zu schreiben. Nunja. Die Melancholie ist ihm zwar vergangen, aber heute weiß er nicht mehr, wie er das noch nennen könnte, was sich da an Gefühlen, Knoten und Sternenschutt in ihm häuft. Martin Bachler ist perplex, das ist eigentlich alles, was man über ihn sagen kann. Nach einer gescheiterten Plan-B-Verfolgung an der Universität für Bodenkultur entschloss er sich letztlich doch für das Studium der Komparatistik und verfolgt dort eine sehr zweifelhafte Version des amerikanischen Traums. Sie haben ihm gesagt er soll seine Träume leben. Das tut er jetzt. Wahrscheinlich würde er sich gelinde gesagt aber nur die Haare vom Kopf brennen oder schlimmeres, wäre da nicht die Literatur und Dichtkunst sein linguistisches Opium die Niederungen des globalen Kapitals zu ertragen.
Poetry Slams kennt er zwar, aber er bevorzugt es in den dunklen Laboratorien, gewissermaßen im Mief seiner kleinen Isolation, obskure Buchstabensubstanzen auszukochen und diese zauberhaft schwarze Sauce Viennese nur zu ganz besonderen Anlässen ins unterstbewusste und hinterrückelndste Ohr der hörenden Schar zu gießen.
Martin Bachler schreibt Kurzbios, die düsterer sind als sein Leben im Ganzen. Aber das Leben ist ja selten im Ganzen. Düster? Seine Gedichte sind jedenfalls mehr als das, aber dazu muss man sie auch hören können. Manchmal zweifelt Martin Bachler daran, ob er denn hört. Er ist kein Beethoven, aber Beethoven hat ja auch zumindest in seinem Kopf gehört. Aber dann gehen die Zweifel durch das Sieb und er hört. Hört, hört.

Foto: melamar

  niki-TA: Arenautin, AHS-Lehrerin für textiles Gestalten und Französisch, alleinerziehende Mutter, Trainerin für Erwachsenenbildung, Kindergruppenbetreuerin, Schaubildbegleiterin, Lernbegleiterin, Autorin und als solche farce vivendi Open Mic Teilnehmerin der ersten Stunde.



Foto: R. Maybach

Christian Schreibmüller, geb. 1949. Autor, Fotograf, Journalist und Regisseur.
Fernsehdokumentationen: "Elektronische Affären" (ARTE), "Fetisch", "Trauermärsche", "Das massakrierte Christkind", "Geheime Gärten", "Phettberg - ein schwerer Fall", (ORF).
Zahlreiche Fotoausstellungen im In- und Ausland. Fotos, Lyrik und Erzählungen u. a. in "Abenteuer Lust", "Mein heimliches Auge". Lyrikband "Phantasiedehitze". Veröffentlichung von Gedichten und Erzählungen in den Literaturzeitungen "Wespennest", "Wienzeile" u. a., jedoch auch Reportagen in Zeitschriften: Wiener, Wienerin, Stern, Tempo, Basta, Profil, u. a. .
Zusammen mit Peter Peter veröffentlichte er einen Bildband über Sizilien. Mitbegründer der Zeitschrift "Magnus" (Berlin), gründete mit Hermes Phettberg die "Polymorph perverse Klinik Wien" und zog mit demselben mit der Show "Phettberg rettet die Religion" durch Österreich und Deutschland. Bereitet derzeit den Lyrikband "Kannibalenromanze" vor und arbeitet an dem Roman "Los(t) Angel(e)s", einer Art literarischem Road Movie.
Anfang der Achtziger Jahre leitete Christian Schreibmüller das Autonomenzentrum Gassergasse, gründete anschließend eine künstlerischen Zwecken gewidmete Fabrik und spielte ab Mitte der Achtzigerjahre in zahlreichen Theaterstücken mit, u. a. bei Haus-Regisseur Kurt Palm und am Wiener Burgtheater. Zeitweilige Mitwirkung auch beim "Ersten Wiener Lesetheater".

MUSIK:



Stefan Peter: geb. 1966 in Wels. Seit 2001 künstlerisch tätig in den Bereichen Musik, Kabarett - Theater.
Lesungen, Liederabende, ein paar Textpublikationen und ein aufgeführtes Theatestück kann ich vorweisen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Ich und mein Publikum waren immer zufrieden. So soll es sein. Stress kann draussen bleiben.
Lebe in Wien. Und das sehr gerne.